Kölner Silvesternacht

In der Silvesternacht 2015 kommt es rund um den Kölner Dom und den Hauptbahnhof zu Diebstählen und sexuellen Übergriffen. Über 1.000 Strafanzeigen werden gegen Männer gestellt, die größtenteils keine deutschen Pässe besitzen. Aufgrund des zögerlichen, teils widersprüchlichen Informationsflusses seitens der Polizei spekulieren die Medien über die Hergänge. Ohne faktische Grundlage wird die Silvesternacht mit zahlreichen bereits vorbelasteten Themen verknüpft wie „Islam und Frauen“ oder der aktuellen Ankunft von Geflüchteten. Rechtspopulisten nutzen die Medienberichterstattung, um gegen Geflüchtete Stimmung zu machen und sie als Gefahr für deutsche Frauen darzustellen.  Einige Medien verzichten aufgrund unklarer Angaben zu Tätern und Hergängen auf Spekulationen. Rechtspopulistische Stimmen bezeichnen sie daraufhin als „Lügenpresse“. Der Vorwurf lautet, sie würden Herkunft und Nationalität der Täter verschweigen, um diese zu schonen und die liberale Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu verteidigen. Wie bereits in den 1980er Jahren gegenüber den Boat People aus Vietnam ist die deutsche Gesellschaft zunehmend polarisiert zwischen „Willkommenskultur“ auf der einen Seite und Rassismus auf der anderen Seite. Die öffentliche Diskussionskultur wird roher, im Internet wächst das Phänomen „hate speech“.

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